Blog

„Kommt die Message rüber?“

Sie interessieren sich für klare Sprache, zielgruppenorientierte Kommunikation und Linguistik? In losen Abständen schreibe ich in meinem Blog „Kommt die Message rüber“ über diese Themen.
Ein Blog zu den Themen klare Sprache, zielgruppenorientierte Kommunikation und Linguistik

Als Linguistin werde ich immer wieder gefragt, ob eine bestimmte Ausdrucksweise „falsch“ oder „richtig“ sei. Ein Beispiel ist die „wegen dem/wegen des“-Frage, sagt/schreibt man „wegen des Unfalls“ oder „wegen dem Unfall“?

Manchmal kommt es auch vor, dass Leute mit mir über den allgemeinen Sprachverfall reden wollen und mich auf „fehlerhaftes“ Deutsch anderer hinweisen. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist „Moni’s Backstube“ (ein fiktives Beispiel, das ich jetzt einfach mal schnell erfunden habe). Immer wieder bekomme ich zu hören, dass das „s“ doch ohne Apostroph geschrieben werden müsste und die Schreibweise „Moni’s“ aus dem Englischen übernommen sei, also kein „richtiges“ Deutsch sei.

Nun ja, was soll ich dazu sagen? Meine Antwort ist dann oft etwas ausufernder und beginnt mit den Worten: „Sprache verändert sich, Sprache ist etwas Lebendiges…“ Sicherlich, es gibt einen großen Bereich in der deutschen Sprache, der einer festgeschriebenen Norm unterliegt – die deutsche Rechtschreibung. Kommasetzung, Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung etc. werden dort geregelt. Aber alles, was das Thema Grammatik betrifft (und hierunter fallen die oben angeführten Beispiele), wird nicht von einer zentralen Instanz festgelegt. Anders als in anderen Ländern (z.B. Frankreich, Schweden) gibt es in Deutschland keine zentrale Akademie, die sich mit Fragen der Grammatik befasst und festlegt, welche grammatischen Neuerungen in die deutsche Sprache aufgenommen werden. Und so kann es dann sein, dass sich manche Veränderungen durchsetzen, andere eben nicht. Oder dass regionale oder soziale Unterschiede vorhanden sind.

„Die Sprachgemeinschaft“ gibt es eben nicht – unsere Gesellschaft ist ja sehr vielfältig. Oder anders ausgedrückt: die deutsche Sprache ist sehr variantenreich und kann sich je nach Situation (regional, sozial, uvm.) in unterschiedlicher Ausprägung zeigen. Die Diskussion über „richtiges“ und „falsches“ oder „gutes“ und „schlechtes“ Deutsch führt demnach zu keinem Ergebnis, da es ja kein „richtig“ oder „falsch“ gibt! Stattdessen sollte lieber gefragt werden, ob die Kommunikation angemessen ist, ob sie funktioniert. Oder vereinfacht ausgedrückt: Kommt die Message rüber? Dass ich verstanden werde ist mein ständiges Anliegen, wenn ich kommuniziere. Das ist doch das, was unsere Kommunikation am Laufen hält. Das mag jetzt trivial klingen. Aber vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die deutsche Sprache sehr vielfältig ist (die Linguistik spricht in diesem Zusammenhang von Varianten), ist schnell klar, dass eine angemessene und funktionierende Kommunikation kein Kinderspiel ist. Entsprechend gibt es auch keine „Patentrezept“, wie man in Situation x oder y kommunizieren soll.

Sicherlich, es gibt es eine Fülle an Ratgeberliteratur. Auch hier werden immer wieder die Kategorien „richtig“ und „falsch“ verwendet. Darauf werde ich ein anderes Mal noch näher eingehen. Aber was nützen mir derartige Tipps, wenn sie nicht auf die sehr spezielle Situation zugeschnitten sind? Ich denke da spontan an Ratgeber, wie man eine Stellenausschreibung textet. Was mache ich aber, wenn ich eine ganz spezielle Zielgruppe ansprechen will (etwa Jugendliche, da es sich um einen Ausbildungsplatz handelt) und das in der Ratgeberliteratur nicht berücksichtigt wird?

Da werfen sich doch schnell Fragen auf: Soll ich den Text dann weniger förmlich gestalten? Eine allzu förmliche Ausdrucksweise könnte die potentielle Bewerberin/den potentiellen Bewerber abschrecken. Oder soll ich sogar jugendsprachliche Ausdrücke verwenden? Ich möchte die Zielgruppe ja gerne in „ihrer Sprache“ ansprechen. Soll ich die potentielle Bewerberin/den potentiellen Bewerber duzen oder siezen? Welches Bildmaterial soll ich verwenden? Da hilft die Ratgeberliteratur nicht wirklich weiter… Viel nützlicher ist doch die folgende Frage: Kommt die Message rüber? Dies setzt aber voraus, dass ich mir erst überlegt habe, was „die Message“ ist. Wenn ich das geklärt habe, dann kann ich meine Kommunikation an die Zielgruppe anpassen. Und das Ergebnis ist dann mit Sicherheit „besser“ (ja, jetzt verwende ich sie doch, die gut-schlecht-Kategorie) in dem Sinne, dass sie angemessener ist und besser funktioniert. Ich werde das Thema Stellenausschreibung (ein Beispiel aus meiner beruflichen Praxis) demnächst noch näher beleuchten. An dieser Stelle sollen meine kurzen Ausführungen genügen, um einen ersten Einblick in meinen linguistischen Zugang zur Sprache und zu meiner Tätigkeit als linguistische Textberaterin zu bekommen.

In Kürze folgen hier weitere Beiträge zu den Themen verständliche Kommunikation, klare Sprache und Linguistik.